Konzepte überdenken! Kariologie und restaurative Zahnheilkunde

PD Dr. Falk Schwendicke, MDPH, Berlin | ZA Ulf Krueger-Janson, Frankfurt

GAK 224 | 15.03.2017 | 13:00 Uhr

Editorial

Liebe GAK’ler und Freunde des GAK,

jeder von Ihnen kennt die Todesspirale des Zahnes bei Anwendung klassischer Behandlungskonzepte vor allem aus der Zeit vor der Adhäsivtechnik. Es fängt mit einer Primärkaries und einer kleinen direkten Restauration an und endet nach immer größer werdenden Füllungen über Teilkrone und Krone mit Wurzelbehandlung im Finale der Zahnextraktion.

Um die beschriebene Todesspirale endgültig ad acta zu legen, macht es Sinn, etablierte Konzepte neu zu überdenken, denn die Bereiche Kariologie und restaurative Zahnheilkunde strotzen vor neuen Erkenntnissen und Möglichkeiten. So verändert sich derzeit in der Kariologie das komplette Denkmodell von der „Kariesentfernung“ zum „Kariesmanagement“. Begriffe wie ökologische Plaquehypothese oder selektive Kariesentfernung haben Einzug gehalten und stehen für einen kausalen Therapieansatz statt rein-symptomatischer Exkavation der Karies. Auch in der restaurativen Zahnheilkunde ergeben sich spannende neue Optionen mit dem Ergebnis der Schonung aller biologischen Strukturen. Angefangen von mittlerweile sehr reduzierten und vorhersagbaren Farb- und Schichtkonzepten für direkte Restaurationen im Frontzahnbereich über einfache und situationsangepasste Matrizentechniken bis hin zur Hybridrestaurationen bestehend aus Komposit und Keramik.

Besonders freut es mich, Ihnen mit Privatdozent Dr. Falk Schwendicke, MDPH und ZA Ulf Krueger-Janson ein Referenten-Team für die Themen Kariologie und restaurative Zahnheilkunde präsentieren zu können. Mit Falk Schwendicke von der Charité in Berlin wird uns derjenige unsere kariologische Denke neu formatieren, der zum Thema selektive Kariesentfernung habilitiert hat und mit seinen hochkarätigen Publikationen zu diesem Thema einen exzellenten Ruf in der Wissenschaftswelt genießt. Wir werden also aus erster Hand die praktischen Konsequenzen für uns aus dem aktuellen Stand der Wissenschaft erfahren. Mit Ulf Krueger-Janson komplettiert ein Mediziner, Handwerker und Künstler das Referentenduo, der sich mit seiner Begeisterungsfähigkeit und seiner Liebe zum Detail intensiv mit direkten und indirekten Restaurationsverfahren befasst hat und uns an seinen didaktisch herausragend ausgearbeiteten Vorgehensweisen und Arbeitstechniken teilhaben lassen wird.

Freuen wir uns auf einen Nachmittag voller Denkanstöße.

Mit den besten Grüßen,

Ihr Wolfram Kretschmar

 

Kariologie

Traditionell wurde Karies durch Entfernung kariösen Dentins behandelt. Basierend auf neuen Erkenntnissen zur Kariespathogenese wird dieses Vorgehen angezweifelt. Stattdessen werden weniger invasive Behandlungsmethoden empfohlen.

Der Vortrag wird zwei dieser Methoden, Infiltration und selektive Exkavation, beleuchten und klinische Empfehlungen abgeben. Die Kariesinfiltration behandelt kariöse Läsion durch Infiltration mit Kunststoffen, die anschließend lichtgehärtet werden. Das Verfahren ist für approximale Läsionen entwickelt und durch zahlreiche klinische Studien belegt, wird mittlerweile aber auch für vestibuläre Läsionen wie sie beispielsweise oftmals nach kieferorthopädischer Behandlung zu beobachten sind, angewendet.

In dem Vortrag sollen beide Indikationen praktisch dargelegt und bewertet werden. Die selektive Exkavation wird vor allem für tiefe Läsionen in vitalen Zähnen empfohlen, um Pulpaexpositionen zu vermeiden. Der Vortrag wird Beispiele aus der Praxis aufzeigen, in denen diese Technik angewendet werden kann, und sich auch mit der Frage des Restaurationsüberlebens auseinandersetzen. Für letzteres werden experimentelle Konzepte zur Restauration ausgedehnter Kavitäten, wie sie auch nach selektiver Exkavation verbleiben, vorgestellt und diskutiert.

 

Restaurative Zahnheilkunde

Innovative Konzepte ermöglichen eine Erweiterung des Indikationsspektrums von Komposit. Durch das Farbkonzept moderner Komposite werden einfache Schichttechniken möglich und befähigen uns hochästhetische Ergebnis zu erzielen. Minimalinvasive oder oder rein additive Techniken ermöglichen die Gestaltung von direkten Kompositveneers, Stellungskorrekturen sowie die Verbesserung und Umgestaltung parodontaler Defekte. Ebenso sind temporäre funktionsinduzierte Vorgehensweisen möglich.

Viele Tipps und Tricks aus der täglichen Praxis.
Verfahrenstechniken

Inhalte

  • Beratungsmöglichkeiten/Mock-up
  • Lückenschluss/Matrizentechnik Tape-Technik/Frankfurter Verschalung
  • Kompositveneers zur Umformung geringer Fehlstellungen und  zur Korrektur von Kronenanomalien.
  • Beschreibung farblicher Eigenschaften  eines modernen Komposits
  • Cut-back Verfahren zur Farb- und Schichtkorrektur/Reparatur
  • Analyse von Zervikalläsionen – Klasse  V - unter farblichen Aspekten
  • Ein geometrisch morphologisches Konzept zur Gestaltung von Kompositrestaurationen im Frontzahnbereich.