Nie wieder „verlorener Biss“!

ZA Gerd Christiansen, Ingolstadt

GAK 232 | 20.06.2018 | 14:00 Uhr

Editorial

Liebe GAK’ler und Freunde des GAK,

können Sie auf dem Titelbild anhand der Bisssituation erkennen, welcher der Patienten seinen Biss verloren hat?  Oft ist es leider nicht so, wie man im ersten Moment denkt. Wenn „Blickdiagnostik“ schon ausreichend wäre, wäre unser Behandlungsalltag jedenfalls erheblich einfacher. Wir würden auch von folgendem Horror-Szenario verschont bleiben: Ein Patient kommt völlig beschwerdefrei in unsere Praxis. Wir gliedern neuen Zahnersatz ein und das Kauorgan spielt verrückt! Der Patient findet nach unserer Behandlung nicht mehr seinen gewohnten Biss. Die Kaumuskulatur wird aufgrund der ständigen Bisssuche überlastet und beginnt zu schmerzen. Im schlimmsten Fall kommt es zu irreversiblen Umbauprozessen in den Kiefergelenken. Und alle Beschwerden begannen für den Patienten mit dem Eingliedern unseres Zahnersatzes.

„Nie wieder verlorener Biss“, das klingt verlockend - geradezu paradiesisch. Es würde Zahnärzten und Zahntechnikern eine Menge Nerven sparen und Ärger mit Patienten vermeiden. Aber wie realistisch ist so ein Ziel? Wie viel Wissen und Erfahrung braucht das Behandlerteam? Und wie aufwändig ist so ein Behandlungskonzept?

Um diese Fragen zu beantworten freut es mich besonders, dass wir mit Gerd Christiansen einen leidenschaftlichen und pragmatischen Referenten für den GAK gewinnen konnten, der mit seiner Neugierde und Hartnäckigkeit emminenz-basierte Lehrmeinungen kritisch hinterfragt und ausgetretene Pfade bewusst verlassen hat, um das Thema Funktion in der Zahnmedizin anders zu beleuchten. Seit 30 Jahren in eigener Praxis in Ingolstadt tätig, lässt uns unserer Referent an seinem riesigen Erfahrungsschatz im Bereich der funktionellen Zahnheilkunde teilhaben. Gerd Christiansen wird uns exakte, in seinem klinischen Alltag bewährte Wege aufzuzeigen, wie „funktionierende Systeme in ihrer Orthofunktion erhalten werden können“ und wie sein Vorgehen beim Vorliegen einer craniomandibulären Dysfunktion aussieht.

Freuen wir uns auf Gerd Christiansen und das Kennenlernen seines etwas anderen Funktionskonzeptes.

Mit den besten Grüßen,

Ihr Wolfram Kretschmar

In seinem Vortrag beschreibt Gerd Christiansen

Teil 1 Okklusion und Kiefergelenk als hochpräzises biologisches System. Die Vorstellung einer Anamnese einer CMD-Patientin soll diese Präzision illustrieren. Dabei lässt er uns mit der Komplexität des Themas nicht im Regen stehen. Die Frage „Was soll ich jetzt tun?“ löst er in einer Folge von Handlungsweisen, das Memobite-Verfahren. Einfach, präzise und risikofrei ist sein Credo.

Teil 2 Betrachtungen zum Kiefergelenk. Biologischen Systemen sich anzunähern gelingt nur indem wir diese visualisieren, in die Tiefe des Systems eintauchen. Anhand computergestützter Aufzeichnungen der Kiefergelenksbewegung eröffnet er uns den Blick in das wahre Geschehen in diesem Gelenk. Auch für diesen Bereich hält er eine Fülle von Vorgehensweisen bereit, wie eine erfolgreiche CMD-Therapie möglich ist. Wiederum anhand eines Falles führt er uns in die Biologie, die Diagnostik aber vor allem in die Therapie auch schwieriger Patientenfälle ein.