Update Parodontitis und Periimplantitis - Diagnostik, Prävalenz, Risikofaktoren und Behandlung

Prof. Tord Berglundh, DDS, PhD, Göteborg

GAK 245 | 23.11.2022 | 14:00 Uhr

Editorial

Nachholtermin aus 2020

Liebe GAKler und Freunde des GAK,

Die Parodontitis stellt uns weiterhin vor große Herausforderungen. Es ist und bleibt eine der häufigsten Erkrankungen unserer Patienten über 65 Jahren... Unsere Patienten, die wir teilweise auch mit Implantaten versorgt haben oder noch versorgen möchten.

Warum sind Implantate für Entzündungen viel anfälliger als Zähne? Was können wir tun, um unsere Patienten vor dieser Erkrankung zu schützen? Und gibt es nun eine wirksame Therapie, wenn Implantate betroffen sind?
Wir wissen immer noch viel zu wenig. Was wir allerdings spätestens seit der heiß diskutierten Studie 2016 aus Prof. Berglundhs Abteilung ahnen ist, dass wir zukünftig noch mehr Patienten sehen werden, die von Periimplantitis betroffen sind. Die hohe Zahl der gesetzten Implantate wird künftig auch eine hohe Zahl Periimplantitisfälle nach sich ziehen.

Mit Prof. Tord Berglundh konnten wir einen der international renommiertesten Parodontologen für den GAK gewinnen. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Parodontologie an der Universität von Göteborg, seit Jahrzehnten wahrscheinlich das Zentrum der Parodontologie in Europa.
Tord Berglundh durfte ich 2015 als mitreißenden, sprühenden Referenten kennenlernen, der uns in einem kurzweiligen Vortrag auf den aktuellen Stand bei diesem immer wichtiger werdenden Thema bringen wird.

Das Seminar soll unseren Blick für die Erkrankung schärfen, Zusammenhänge vermitteln und einen Ausblick schaffen, wohin die Reise gehen kann. Welche neuen Ansätze gibt es und wie helfen uns die Daten der Vergangenheit Risiken für unsere Patienten zu minimieren und ihnen mehr Sicherheit für die Zukunft zu geben.
Darüber hinaus wird Tord Berglundh uns ein Update über die neue Klassifikation der parodontalen Erkrankungen geben, die vielleicht noch nicht von uns allen vollends verinnerlicht ist.

Nachdem wir unseren Termin 2020 leider pandemiebedingt verschieben mussten, freuen wir uns jetzt umso mehr auf Tord Berglundh und einen spannenden Nachmittag beim GAK in Präsenz!


Ihre Friederike Johanning

 

Abstract

Die Parodontitis ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates, hervorgerufen durch
Mikroorganismen. Ihre charakteristische Eigenschaft ist die fortschreitende Zerstörung des parodontalen Gewebes. Schwere Formen dieser Erkrankung betreffen mittlerweile über 500 Mio. Menschen weltweit und stellen damit die sechsthäufigste Erkrankung der Menschheit dar. Der Vortrag wird sich mit der neuen Klassifikation und deren klinischen Umsetzung befassen.
Unter Periimplantitis versteht man einen pathologischen Prozess in den Geweben an einem dentalen Implantat, der durch Mikroorganismen verursacht wird und sich durch Entzündung des periimplantären Bindegewebes sowie Verlust des Stützknochens kennzeichnet. Das betroffene Implantat weist Entzündungszeichen auf, Blutung und/oder Suppuration bei Sondierung sowie erhöhte Sondierungstiefen;
darüber hinaus ist radiologisch ein Knochenverlust erkennbar.

Im Seminar wird die neue Klassifikation der periimplantären Erkrankungen mit Falldefinitionen aus der klinischen Praxis sowie epidemiologischen Studien vorgestellt. Ergebnisse aus neueren Studien zur Periimplantitis und Parodontitis an Humanpräparaten werden präsentiert und die wichtigsten Unterschiede beschrieben. Anhand von Vergleichen zwischen Parodontitis und Periimplantitis werden Erkrankungsbeginn und Progredienz bei Periimplantitis thematisiert. Die Rolle der Implantatoberfläche im Periimplantitis-Geschehen wird ebenfalls diskutiert.

Der Vortrag umfasst auch die chirurgische Therapie der Periimplantitis und stellt die in randomisierten klinischen Studien erzielten Behandlungsergebnisse vor. Einflussfaktoren für den Heilungserfolg der Periimplantitis nach einer chirurgischen Therapie werden diskutiert. Die Auswirkung einer adjuvanten systemischen Antibiotikagabe im Rahmen der chirurgischen Therapie wird dabei ebenso berücksichtigt wie der Einfluss der Implantatoberflächencharakteristik auf das Behandlungsergebnis. Daten aus präklinischen In-vivo-Versuchen und randomisierten klinischen Studien werden präsentiert.